Freiheit. Erinnerungen 1954–2021 – Wikipedia

Freiheit. Erinnerungen 1954–2021 sind die 2024 bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Memoiren der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von ihr und ihrer langjährigen politische Beraterin Beate Baumann verfasst, wurde das Werk im November 2024 zeitgleich in mehreren Sprachen veröffentlicht und zum Bestseller. Es schildert ausgewählte Ereignisse aus Merkels persönlichem und politischem Leben, von ihrer Kindheit auf dem Land in der DDR bis zum Ende ihrer sechzehnjährigen Kanzlerschaft des wiedervereinten Deutschlands im Jahr 2021.

Die Memoiren umfassen nach Merkels Worten ihre „zwei Leben“: die Jahre vor 1990 und danach die Zeit in der Politik. Sie beschreiben Merkels Werdegang zur ersten Bundeskanzlerin der Bundesrepublik.

Dem Prolog des Buches zufolge soll es einen Einblick in die Funktionsweise der Politik bieten, der sich mit persönlichen Entscheidungen ergänzt.[1]

Die chronologisch gegliederten Abschnitte des Buches beginnen mit Angela Merkels Kindheit und Jugend in der DDR sowie ihren Erfahrungen während der Wende und friedlichen Revolution. Ab 1990, mit dem Beginn ihrer politischen Karriere in Bonn und ihrem Aufstieg in der CDU, beschreibt sie verschiedene Ereignisse dieser Zeit. Anschließend folgen Einblicke in ihre Kanzlerschaft.

Entstehung des Buchs

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Das 736 Seiten lange Buch entstand in Zusammenarbeit mit Beate Baumann, die seit 1992 ihre politische Beraterin war. Die Arbeiten an dem Werk dauerten rund zwei Jahre. Die Idee zu dem Buch sei im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 entstanden. Merkel und Baumann verhandelten direkt mit den Verlagen, auf eine Agentur verzichteten sie. Eigens für das Buch gründeten sie die teaMBook GbR, ferner mieteten sie eine Berliner Wohnung als Arbeitsplatz.[2]

Angela Merkel stellte ihr Buch Freiheit. Erinnerungen 1954–2021 am Tag der Veröffentlichung, dem 26. November 2024, im Deutschen Theater in Berlin vor. In einem moderierten Gespräch mit der Journalistin Anne Will sprach Merkel über zentrale Themen und persönliche Erfahrungen, die in ihren Memoiren behandelt werden.[3][4]

Das Buch erschien mit einer Erstauflage von 400.000 Exemplaren, die am 26. November 2024 ausgeliefert bzw. verkauft worden waren. Ein erster Nachdruck erscheint mit 200.000 Exemplaren Anfang Dezember 2024.[5] Der Spiegel vermeldete am 27. November 2024, dass sich das Buch am ersten Tag 35.000 Mal verkauft habe,[6] woraufhin die Welt vermutete, dass der Verkauf des Buches nur „schleppend“ verlaufen würde.[7] Hierbei handelte es sich jedoch um eine falsche Auswertung der vom Dienstleister Media Control zur Verfügung gestellten Zahlen, weshalb der Spiegel seinen Artikel hinterher korrigieren musste. Insgesamt wurde das Buch laut Media Control in der ersten Verkaufswoche mehr als 200.000 mal verkauft. Ulrike Altig, Geschäftsführerin von Media Control, erklärte in einer Pressemitteilung, dass kein anderes Buch in diesem Jahr "einen derart fulminanten Start hingelegt" habe.[8] Die Übersetzungen von Freiheit erschienen zeitgleich mit der deutschsprachigen Ausgabe in etwa 20 Ländern.[9]

Die FAZ (Günter Bannas) schreibt: „Es gab in ihrer eigenen Partei spekulative Befürchtungen, Merkel würde, wo nun alles vorüber ist, zur Auflagensteigerung politische und persönliche Abrechnungen vornehmen. Die Weggefährten müssen sich nicht sorgen.“[10] Bannas kritisiert auch, dass Merkel allenfalls da Selbstkritik übt, wenn es um schlecht vorbereitete Interviews oder das Rauchen geht. Marlena Wessollek äußert: „Altkanzlerin Merkel kritisiert Forderungen ihrer Partei, Asylbewerber an der Grenze abzuweisen. Sie sehe eine 'Bringschuld' der Deutschen gegenüber Migranten, sagte sie.“[11] Im Handelsblatt heißt es zu den Memoiren: „Und sie bezieht Position auch in einer aktuellen Entwicklung: Sie bekennt, dass sie sich einen Sieg der demokratischen US-Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris gewünscht habe.“[12] Stefan Kuzmany schreibt im Spiegel: „»Freiheit« verrät praktisch nichts. Und damit womöglich alles. In »Freiheit«, ihrer heute erscheinenden Autobiografie, beweist Angela Merkel auf mehr als 750 Seiten einmal mehr ihre erschöpfende Gründlichkeit. Das klingt dröge? Ist es.“[13] Stefan Reinecke bedauert in der taz, dass „[...] ein so hohes Amt der Sprache der Personen ein stählernes Korsett überwirft. Das quasi zu einer Art Verstaatlichung einer lebendigen Person zu einer Figur führt, aus der fast alle Spontaneität und Lust zu erzählen entweicht.“ Umgekehrt freut er sich über die Teile, in denen Merkel recht frei von ihrer Jugend und ihrer Zeit noch vor der Politik berichtet.[14] Sven Trautwein (FR) hebt in einer Rezension die Darstellung ihrer politischen Erfolge hervor.[15]

Einzelnachweise

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  1. Angela Merkel, Beate Baumann: Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021. Kiepenheuer&Witsch, 2024, ISBN 978-3-462-00513-4, S. 9–11.
  2. Melanie Amann: So entstand das Merkel-Buch. In: spiegel.de. 23. November 2024, abgerufen am 24. November 2024.
  3. Buchpremiere: „Freiheit“ von Angela Merkel Angela Merkel im Gespräch mit Anne Will. In: www.deutschestheater.de. 26. November 2024, abgerufen am 30. November 2024.
  4. "Freiheit" von Angela Merkel: So lief die Buchpremiere von Angela Merkel. In: www.zeit.de. 26. November 2024, abgerufen am 30. November 2024.
  5. Matthias Glatthor: Merkel-Memoiren: Startauflage ist weg, Nachdruck läuft. In: boersenblatt.net. 29. November 2024, abgerufen am 29. November 2024.
  6. Memoiren der Altbundeskanzlerin: Merkels Buch verkauft sich am ersten Tag bislang 35.000 Mal. In: spiegel.de. 27. November 2024, abgerufen am 19. Dezember 2024.
  7. Merkel-Memoiren: Schleppender Start – Buch verkauft sich nur 35.000 Mal am ersten Tag. In: welt.de. 28. November 2024, abgerufen am 1. Dezember 2024.
  8. Angela Merkel - Freiheit. In: media-control.de. 5. Dezember 2024, abgerufen am 19. Dezember 2024.
  9. Anne Will: Politik mit Anne Will. In: politik-mit-annewill.podigee.io. 26. November 2024, abgerufen am 30. November 2024.
  10. Günter Bannas: Nur lässliche Sünden beichtet die Altkanzlerin. In: faz.net. 26. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.
  11. Marlena Wessollek: Merkel kritisiert CDU-Kurs zur Migration und verteidigt ihre Politik. In: zeit.de. 22. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.
  12. Ex-Bundeskanzlerin veröffentlicht ihre Memoiren. In: handelsblatt.com. 21. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.
  13. Stefan Kuzmany: »Freiheit« verrät praktisch nichts. Und damit womöglich alles. In: spiegel.de. 26. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.
  14. Stefan Reinecke: Die Macht hatte ihren Preis. In: taz. 26. November 2024, abgerufen am 14. Dezember 2024.
  15. Sven Trautwein: Angela Merkel: Biografie „Freiheit“ enthüllt politische Begegungen und Entscheidungen. In: fr.de. 25. November 2024, abgerufen am 27. November 2024.