JRC Karlsruhe – Wikipedia

Das JRC Karlsruhe (ehemals Institut für Transurane (JRC-ITU), frühere englische Version des Namens: Joint Research Centre – Institute for Transuranium Elements, JRC-ITU) ist ein Forschungsinstitut der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission.

Das JRC der Europäischen Kommission hat seit dem 1. Juli 2016 eine neue Struktur[1]. Durch diese Umstrukturierung sind alle Forschungsaktivitäten im nuklearen Bereich in einer Multistandortdirektion, „Direktion für Nukleare Sicherheit und Sicherung“, zusammengefasst worden und das Institut für Transurane (ITU) wurde in „JRC Standort Karlsruhe“[2] umbenannt. Der Standort befindet sich auf dem Gelände des „Karlsruher Institut für Technologie“ (KIT) Campus Nord.

Als Referenz-Zentrum für Forschung und Technologie unterstützt sie die politischen Entscheidungen der Europäischen Union. Das JRC-ITU mit ungefähr 330 Mitarbeitern (230 permanente und 100 Fremdfirmenmitarbeiter)[3] befindet sich in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe (Deutschland). Es ist spezialisiert auf die Gebiete Nukleare Sicherheit und Sicherung und verfügt über zum Teil weltweit einzigartige experimentelle Einrichtungen. Das Institut hat 50 Jahre Erfahrung im Bereich nuklearer Forschung. Das JRC-ITU befindet sich auf dem Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie, des ehemaligen (Kern-)Forschungszentrums Karlsruhe.

Die Gründungsverträge wurden am 5. Februar 1957 unterzeichnet. Der Grundstein für das damals noch „Plutonium-Institut“ benannte Projekt wurde kurz danach gelegt. Ende 1957 erfolgte die Namensänderung in „Institut für Transurane“.

Im Juli 1958 beschloss die EURATOM-Behörde, sich am Projekt zu beteiligen, was bei der deutschen Bundesregierung nicht nur auf Zustimmung stieß.

Am 10. Februar 1965 wurde die erste Plutoniumprobe in einen der Handschuhkästen im sogenannten Flügel A eingeführt. Bereits 1966/67 wurde in großem Maßstab 239Pu verarbeitet, so wurden 2100 Brennstäbe für die französische Atom-Anlage Cadarache gefertigt.

Aus dieser Zeit datiert auch die ohne Öffentlichkeitsbeteiligung erteilte atomrechtliche Genehmigung Nr. K/30/65 mit ihren Nachträgen in der Fassung der Änderungsgenehmigung vom 19. September 1984 sowie die Genehmigung S 1/97 vom 23. Oktober 1997 zur Bearbeitung, Verarbeitung und sonstigen Verwendung von Kernbrennstoffen und dem Umgang mit sonstigen radioaktiven Stoffen. Sie erlauben maximale Mengen von 180 kg Plutonium, 50 kg 235U und weiterem radioaktivem Material[4].

Aufgabe des JRC Karlsruhe ist die Bereitstellung der wissenschaftlichen Grundlagen für den Schutz des europäischen Bürgers vor den mit der Handhabung und Lagerung hochradioaktiver Materialien verbundenen Gefahren. Das JRC Karlsruhe trägt als Referenzzentrum für Actinoidenforschung zu einem effizienten Sicherheits- und Überwachungssystem für den nuklearen Brennstoffkreislauf bei und erforscht technologische und medizinische Anwendungen von Radionukliden/Actinoiden. Das JRC Karlsruhe arbeitet sehr eng, in der EU und darüber hinaus, mit nationalen und internationalen Gremien auf dem nuklearen Gebiet zusammen. Es spielt nicht nur eine Schlüsselrolle in der EU-Politik im Bereich der nuklearen Abfallbehandlung und der Sicherheit kerntechnischer Anlagen, sondern es leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kernmaterial und arbeitet an der Entwicklung und Anwendung moderner Instrumente zum Aufdecken verborgener nuklearer Aktivitäten. Eine weitere Schlüsselrolle liegt in der Studie und Produktion von Radionukliden, die in der Krebsbehandlung verwendet werden.[5]

Innerhalb des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms stellt die EU ein Budget von 30 Mio. Euro für die Erweiterung und Umorganisation des JRC Karlsruhe zur Verfügung.[6]

Das JRC Karlsruhe unterstützt die Internationale Atomenergieorganisation mit Messtechnik. So wurden in den 1990er Jahren rund 30 Fälle von Kernmaterialschmuggel aufgedeckt.[7]

Im Zentrum der Kritik am ITU und seinen Erweiterungsplänen stehen neben den umfangreichen Mengen an radioaktivem Inventar, darunter Plutonium, seine Forschungs- und „vor-industriellen“ Produktionsaktivitäten für neue Atomkraftwerke der so genannten 4. Generation. Konkret wird dem ITU vorgeworfen, Referenzgeber und Motor für die Weiterführung der Plutoniumwirtschaft unter dem Deckmantel von Forschung zu sein. Es sei maßgeblich beteiligt an der Entwicklung von neuen Atomreaktoren, was unter den Begriffen Transmutation (= neue schnelle Brüter) und Partitioning (= Wiederaufarbeitung von Brennstäben) verborgen werde.[8][9] Diese Kritik wurde insbesondere beim Mediationsprozess zur Erweiterung des ITU 2016 detailliert geäußert.[10]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Organisation - European Commission. Abgerufen am 3. April 2017 (englisch).
  2. The JRC in Karlsruhe (Germany) - European Commission. Abgerufen am 3. April 2017 (englisch).
  3. laut der Direktion des JRC Karlsruhe, Stand 02-2024
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 23. März 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/karlsruhe.bund.net
  5. http://itu.jrc.ec.europa.eu/index.php?id=20
  6. https://web.archive.org/web/20091220105407/http://www.karlsruhe.de:80/stadt/aktuell/nachrichten/transurane.de
  7. Cyrus Paques: Atompolizei im weißen Kittel, in research eu, Magazin des Europäischen Forschungsraums, Nr. 52, Juni 2007
  8. Joint Research Centre (JCR) - ehemals Institut für Transurane. Abgerufen am 13. Mai 2018.
  9. Atomreaktoren/Thorium/KKP/KIT Nord. Abgerufen am 13. Mai 2018.
  10. Mediation zu einem Neubau beim Institut für Transurane in Karlsruhe: Beteiligungsportal Baden-Württemberg.de. (baden-wuerttemberg.de [abgerufen am 13. Mai 2018]).

Koordinaten: 49° 5′ 30,8″ N, 8° 25′ 42,2″ O